Vor 31 Jahren, am 06. Februar 1976, wurde Leonard Peltier in Kanada verhaftet und befindet sich seither im Gefängnis. Nachdem durch einen erzwungenen Meineid seine Auslieferung in die USA erreicht wurde, verurteilte ein Gericht ihn wegen angeblichen Mordes an zwei FBI-Agenten zu zweimal lebenslanger Haft.
Leonard Peltier war Mitglied des "American Indian Movement", einer Bewegung die sich in dem aufkeimenden Bewusstsein für die Rechte und kulturelle Identität der amerikanischen Ureinwohner einsetzte.
Grund seiner Inhaftierung
In den 1970er-Jahre herrschten in der Pine-Ridge-Reservation in South Dakota bürgerkriegsähnliche Zustände, die, je nach Quelle, 60 bis 300 Indianer das Leben kosteten. Die Lakota-Indianer der Reservation riefen das AIM zur Hilfe, um sich gegen paramilitärische Truppen und FBI-Agenten zu schützen. Neben anderen leistete Leonard Peltier dem Hilferuf Folge. Am 26. Juni 1975 wurden bei einer Schiesserei zwei FBI-Agenten und ein Indianer getötet. Peltier floh nach Kanada und wurde später als Mörder der beiden FBI-Agenten festgenommen; der Tod des Indianers wurde bis heute nie untersucht.
Es folgte ein sehr umstrittenes Gerichtsverfahren. Bald zeichnete sich ab, dass die US-amerikanische Justiz keine Beweise gegen Peltier hatte. Trotzdem wurde er 1977 für schuldig befunden und wegen Mordes zu zweimal lebenslänglicher Haft verurteilt. Leonard Peltier gilt Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International, Incomindios Schweiz oder der Gesellschaft für bedrohte Völker als politischer Häftling. Nebst NGOs und Institutionen wie der EU fordern über 25 Millionen Menschen, bisher erfolglos, seine Freilassung, darunter Persönlichkeiten wie Nelson Mandela, Rigoberta Menchú und der Dalai Lama. Seine Anwälte durchliefen sämtliche Instanzen des amerikanischen Rechtssystems; Peltier sitzt nach 28 Jahren jedoch noch immer in Haft.
Obwohl in den USA viele Indigene als politische Häftlinge angesehen werden, Peltier also ursprünglich nur einer unter vielen war, entwickelte er sich zu einem panindianischen Anführer und Hoffnungsträger, der bereits zweimal (1992 und 2004) für den Friedensnobelpreis nominiert wurde sowie als Kandidat der "Peace and Freedom Party" vom Gefängnis aus zur US-Präsidentschaftswahl 2004 antrat. Dennoch gilt Peltier Regierungsstellen wie ehedem als Schwerstkrimineller und wurde im Juni 2005 zunächst zu sechswöchiger Einzelhaft nach Terre Haute und schliesslich ins Hochsicherheitsgefängnis Lewisburg verbracht, nachdem seinem vorheriger Aufenthaltsort, der Anstalt Leavenworth, ihr Hochsicherheitsstatus aberkannt wurde.
Zweifel an Peltiers Unschuld
Inzwischen ist Peltiers Unschuld auch in Teilen der indianischen Gemeinschaft umstritten. Im Jahr 2002 veröffentlichte Paul DeMain, Herausgeber der indianischen Zeitung News from Indian Country und langjähriger Unterstützer Peltiers, einen aufsehenerregenden Bericht, in dem er darlegte, dass Peltier für die Erschiessung der beiden Agenten verantwortlich gewesen sei.
DeMain (ein Oneida-Indianer) und seine Kollegen hatten jahrelang den Tod von Anna Mae Pictou-Aquash untersucht, einer Peltier nahestehenden AIM-Aktivistin, die Ende 1975 ermordet worden war. Sie befragten Dutzende von Personen, darunter laut DeMain auch AIM-Insider, deren Identität allerdings nie bekanntgegeben wurde, und schlossen daraus, dass Pictou-Aquash getötet wurde, um Peltiers Verantwortung für den Tod der beiden Agenten zu vertuschen. In der Folge wurden 2003 zwei AIM-Mitglieder wegen der Entführung und Ermordung Pictou-Aquashs angeklagt. DeMain erhielt mehrere journalistische Auszeichnungen für seinen Bericht, war aber starken Anfeindungen aus der indianischen Gemeinschaft ausgesetzt.
Zeitgleich reichte Leonard Peltier eine Verleumdungsklage gegen DeMain ein. Das Verfahren endete im April 2004 mit einem Vergleich: Peltier, der ausdrücklich nur an einer Gegendarstellung interessiert war, verzichtete auf Schadensersatzforderungen. Im Gegenzug verpflichtete sich DeMain zur Abgabe einer öffentlichen Erklärung, in welcher er explizit anerkannte, dass Peltier weder einen fairen Prozess erhalten habe noch in irgendeiner Weise in die Ermordung Pictou-Aquashs verwickelt gewesen sei.
Die Aussagen über Peltiers Verantwortung für den Tod der beiden Agenten waren nicht Gegenstand dieser Erklärung. Auch haben zwei Frauen aus Peltiers damaligem Umfeld, Darlene "Kamook" Nichols und ihre Schwester Bernie Lafferty, mittlerweile ausgesagt, dass Peltier in einer privaten Unterhaltung mit ihnen und Pictou-Aquash zumindest einen der Morde zugegeben habe. Kritiker allerdings zweifeln an der Glaubwürdigkeit der Zeuginnen, da Nichols vor Beginn des Verfahrens mehrfach finanzielle Zuwendungen von Bundesbehörden, insgesamt in Höhe von $42.000, erhalten hatte. Unklar ist des Weiteren, warum Peltier, der laut Nichols Aussage Pictou-Aquash für eine FBI-Informantin hielt, ein derartiges Schuldeingeständnis gerade in ihrer Gegenwart hätte abgeben sollen.
Schreibt Leonard Peltier Briefe ins Gefängnis
Briefe und Postkarten sind für Leonard ein Fenster zur Welt. Sie zeigen ihm aber auch dem Justizsystem, dass Peltier nicht vergessen wird! Seine Adresse im Gefängnis und die seiner UnterstützerInnen - mitsamt jeder Menge weiterer Infos - findet ihr u.a. auf den Websites von:
- Leonard Peltier Defense Committee (en)
- The Case of Leonard Peltier (en)
- Leonard Peltier Support Group Rhein Main (de)
Literatur
- Martin L. Hofmann: Indian War. 2000: Atlantik Verlag, Bremen


Seit 31 Jahren im Knast
Leonard Peltier war Mitglied des "American Indian Movement", einer Bewegung, die sich für die Rechte der us-amerikanischen Ureinwohner einsetzte. Seit 1976 befindet er sich im Knast, der Vorwurf: zweifacher Mord an FBI-Angehörigen. Ohne wirkl...